„Wir wollen mehr über die Brüdergemeine erfahren“

Von SZ-Praktikant Leonhard Reche

Rudolph und Joy Jorst suchen nach ihren religiösen Wurzeln in Europa. Niesky ist für sie eine spannende Station.

Rudolph Jorst spielt Posaune. Seine Frau Joy Jorst begleitet die Truppe. Am Dienstag waren sie mit der Gruppe aus Südafrika für ein Konzert in der Kirche der Brüdergemeine Niesky zu Gast.
Foto: © andré schulze

Am Dienstag gaben südafrikanische Bläser in der Kirche der Brüdergemeine in Niesky ein Konzert. Was wunderte sie und was ist der Grund ihrer Reise? Das erzählt uns ein südafrikanisches Ehepaar. Rudolph Jorst spielt die Posaune, seine Frau Joy begleitet ihn auf seiner Reise. Sie sind selbst Teil der Brüdergemeine in Südafrika und machen momentan eine Tour durch Deutschland, bei der sie alle brüderischen Orte besuchen.

Rudolph und Joy, warum reist Ihr als Südafrikaner durch Deutschland?

Rudolph Jorst: Wir waren am Wochenende beim Posaunentag in Dresden, das war für uns der Auslöser, nach Europa zu fahren. Ein anderer Grund ist, dass wir mehr über die Geschichte der Brüdergemeine wissen wollen. In Europa lebten so viele bedeutende Persönlichkeiten, die bei uns in Südafrika eine große Rolle gespielt haben. Wie zum Beispiel Georg Schmidt, ein Missionar, der in Niesky auf dem Gottesacker begraben wurde.

Was ist der größte Unterschied zu Südafrika, der Euch auffällt?

Rudolph Jorst: Diese lange Geschichte, die Europa und insbesondere Deutschland hat. Wir kennen das nicht. Unsere südafrikanische Geschichte beginnt erst Mitte des 17. Jahrhunderts. Damit will ich jetzt nicht sagen, dass wir vorher keine Geschichte hatten, aber unsere schriftlich dokumentierte Geschichte beginnt erst, als Jan van Riebeek eine Versorgungsstation am Kap der Guten Hoffnung errichtete. Eure Geschichte zieht sich durch alles. Wir waren vorher in Prag und in Dresden, zwei Städte, wo man überall die Geschichte sieht.

Wer Dir und Deiner Frau zuhört, dem fällt auf, dass Ihr Euch in verschiedenen Sprachen unterhaltet. Welche ist denn eure Familiensprache?

Joy Jorst: Zu Hause unterhalten wir uns auf Afrikaans, aber wir können beide gut Englisch sprechen. Wenn ich das nächste Mal nach Deutschland komme, möchte ich aber schon ein bisschen Deutsch sprechen.

Aber Deutsch ist eigentlich eine schwere Sprache, denkst Du, dass das so schnell geht?

Joy Jorst: Afrikaans, die Sprache, die bei uns am verbreitetsten ist, hat ihre Wurzeln im Niederländischen und das wiederum ist verwandt mit dem Deutschen.Rudolph Jorst: Ich spreche ein bisschen Deutsch und natürlich Afrikaans. Ich war außerdem lange Zeit Englischlehrer und spreche auch ganz gut Englisch.

Ihr reist nicht nur wegen der Geschichte durch Europa, sondern musiziert hier auch. Einen Bläserchor gibt es in jeder Brüdergemeine. Wie lange spielst Du schon Posaune, Rudolph?

Rudolph Jorst: Ich spiele noch gar nicht so lange, ich hab im Jahr 2000 angefangen, bin erst mit 40 zur Musik gekommen. Nicht wie die anderen schon in der Grundschule.

Wenn Du nicht reist und Posaune spielst, wovon lebst Du?

Rudolph Jorst: Ich bin früher Lehrer gewesen. Heute arbeite ich in der Personalabteilung einer Firma. Dort werbe ich junge Leute an und bilde sie aus. Außerdem helfe ich den Älteren beim Eintritt in die Rente.

Ihr seid noch bis zum Juli unterwegs. Worauf freut Ihr Euch am meisten, wenn Ihr wieder zu Hause seid?

Joy Jorst: Aufs Ausschlafen. Du musst wissen, wir sind am 27. Mai in Südafrika gestartet, haben schon in Tschechien Konzerte gegeben und sind nun in Deutschland. Hier sind wir jeden Tag an einem anderen Ort der Brüdergemeine. Als nächstes wollen wir dann die Niederlande besuchen und zuletzt Großbritannien. Erst am 4. Juli sind wir wieder in Südafrika.