Dramatisches zum Jubiläum

Von Sabine Ohlenbusch

Zu seinem Geburtstag bekommt Niesky ein besonderes Geschenk. Elisabeth Koppehl hat es sich ausgedacht.

Elisabeth Koppehl in der Küche ihrer Wohngemeinschaft in Leipzig. Die Tochter des Superintendenten Thomas Koppehl hat ein Theaterstück zur Stadtgeschichte von Niesky verfasst – zusätzlich zu ihrer Abschlussarbeit in evangelischer Theologie.

Freiherr von Gersdorf und Graf Zinzendorf – diese Namen sind aus der Nieskyer Stadtgeschichte nicht wegzudenken. Deshalb spielen diese beiden historischen Persönlichkeiten eine Rolle im Theaterstück, das Elisabeth Koppehl zum 275. Jubiläum verfasst hat. Dabei hat die 26-Jährige auch sonst gerade genug zu tun: Sie sitzt jeden Tag in der Bibliothek in Leipzig und schreibt an ihrer Examensarbeit in evangelischer Theologie.

Zwei Wochen lang hat sie sich immer wieder Zeit genommen, um rund fünf Seiten Text anzusammeln. Darin hat sie Erfahrung: Etwa zehn ihrer Krippenspiele und Osterstücke sind schon in Kirchen inszeniert worden. Deshalb hat ihr Vater, der Superintendent des Kirchenkreises Schlesische Oberlausitz, Thomas Koppehl, auch an sie gedacht, als es um das besondere Geschenk zum Stadtgeburtstag ging. Das Stück soll auf der Bühne rund zwanzig Minuten dauern. So hat Niesky seine Historie noch nicht erlebt.

Die Stadt ist Elisabeth Koppehls zweite Heimat. „Ich freue mich immer, wenn ich hier bin“, sagt sie. Mit 17 Jahren ist sie nach der Schule für ein Freiwilliges Soziales Jahr beim Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM) hierher gezogen. Bei einem Praktikum in der Diakonissenanstalt Emmaus ist sie Niesky noch näher gekommen.

„Ich finde Geschichten interessant, wenn die Figuren ein bisschen in Konflikt treten“, verrät die junge Dramatikerin, „so ist das auch bei der Gründung von Niesky gewesen.“ Elisabeth Koppehl ist dabei wichtig, dass alle bereit gewesen sind, Kompromisse einzugehen. Denn Siegmund August von Gersdorf hatte 1742 eigene Vorstellungen. Damals hat er böhmischen Religionsflüchtlingen erlaubt, sich auf dem damaligen Rittergut Trebus anzusiedeln. Die ersten Familien bauten ihr Leben in Niesky auf.

Flucht ist damals wie heute ein ernstes Thema gewesen. In Elisabeth Koppehls Stück ist es aber nicht allzu dramatisch zu sehen: Sie möchte die Reibereien zwischen Herrschern und ihren Untertanen nicht zu ernst, sondern auch unterhaltsam darstellen. „Ich habe eine Zeit lang Unipolitik gemacht – ich könnte mir vorstellen, dass es damals so ähnlich abgelaufen ist“, sagt sie. Durch die Mischung aus historischen Tatsachen mit ausgedachten Elementen kann die damalige für die heutige Zeit stehen.

Außer den beiden adeligen Herren gehören noch ihre Ehefrauen, zwei Gründungsväter und zwei Figuren aus der Brüdergemeine zum Personal des Theaterstücks. „Ich finde es wichtig, auch weibliche Figuren mitspielen zu lassen, auch wenn sie in der Geschichtsschreibung nicht unbedingt vorkommen“, sagt Elisabeth Koppehl. „Sie gab es damals ja auch.“ Eine weniger berühmte Figur ist Johannes Weiß aus der Gemeine, der bei der Gründung zwischen den Parteien vermittelt hat.

Das genaue Datum von Nieskys Geburtstag ist der 8. August. Um diesen Termin soll das Geburtstagsspiel zur Aufführung kommen. Brüdergemeine, Emmaus und Kirchenkreis Schlesische Oberlausitz haben sich dafür das Theaterstück zur Aufgabe gemacht. Es steht sogar noch ein zweites Stück später im Jahr im städtischen Veranstaltungsprogramm. Dieses ist allerdings nicht rein Nieskys zu Ehren, sondern auch anlässlich des 500. Jubiläums der Reformation. Am 8. Oktober ist das Stück „Katharina Lutherin zu Wittenberg“ von der Schauspielerin Mirjana Angelina aus München im Großen Saal der Brüdergemeine zu sehen.

„Oberin Schwester Sonja Rönsch hat das Manuskript bereits erhalten“, teilt Pressesprecherin Viola Knappe mit. Jetzt gehe es darum, Regie und die Rollen im Stück zu verteilen. Elisabeth Koppehl ist leider nicht dabei, auch wenn sie schon Darstellerin in eigenen Stücken war. Als Zuschauerin will sie aber zur Aufführung kommen „Die Umsetzung finde ich beim Theater sehr spannend“, sagt sie. „Darauf bin ich neugierig.“