Ein ungewöhnliches Krippenspiel

Von Rolf Ullmann

Mit dem Musical vom Vater Martin berühren die Mitwirkenden in Niesky am Weihnachtstag die Herzen der Zuhörer.

Diesmal verlassen die Mitwirkenden am Krippenspiel in der Kirche der Brüdergemeine die gewohnten Pfade beim Erzählen der Geschichte von den Ereignissen in der Heiligen Nacht. Nicht Maria und Josef sowie ihr im Stall geborenes Kind, sondern ein armer Schuster stehen im Mittelpunkt der Geschehnisse.

Frei nach einer Erzählung des großen russischen Romanciers Lew Tolstoi erzählen die Kinder und Jugendlichen von den Erlebnissen des Vater Martin in der Nacht der Nächte. Vater Martin lebt in einem kleinen russischen Dorf der Zarenzeit und wünscht sich sehnsüchtig eine Begegnung mit Jesus Christus am Weihnachtsabend. Doch dieser naht sich ihm in der Gestalt des alten, elend gekleideten Straßenkehrers Iwan. Eine ebenso armselig gekleidete junge Frau erhält von ihm ein paar Kinderschuhe, die Vater Martin bis dahin wie ein kleines Heiligtum gehütet hatte. Erst im Verlauf der Geschichte erkennt Vater Martin, dass sein Wunsch nach einer Begegnung mit Jesus und der Jungfrau Maria in Gestalt des Straßenfegers und der Frau in Erfüllung gegangen ist.

Friedrich Banda schlüpft in die Rolle des Vater Martin.
Unmittelbar vor dem Ende der kleinen Christnacht werden nach altem Brauch Kerzen an alle Besucher im Saal der Kirche der Brüdergemeine verteilt.

Diese auf den ersten Blick so unspektakuläre Geschichte bringen die Mitwirkenden auf eine berührende Art und Weise den Menschen im voll besetzten Saal der Kirche nahe. Die Mühen der sechswöchigen Proben, die von Gabriele von Dressler geleitet wurden, haben sich so gelohnt. Angesichts der vielen Kinder und Erwachsenen, die am späten Nachmittag des Weihnachtstages die Bänke füllen, äußert Pfarrer Axel von Dressler seine Zufriedenheit: „Ich freue mich riesig, dass sie alle gekommen sind und die Kirche so gut gefüllt ist.“ Als sich die kleine Weihnachtsandacht dem Ende zuneigt, verlöschen die Lichter im Saal. Dafür werden Kerzen verteilt. Dieser Brauch des Lichtelputzens geht auf die Zeit von Zinzendorf, einem der Begründer der Brüdergemeine, zurück. Es ist das Licht von Christus, das in die Welt getragen wird, erklärt Pfarrer Axel von Dressler.