Niesky zeigt Geschichte und musikalische Talente

Von Steffen Gerhardt und Rolf Ullmann

Das Festwochenende bot vielen viele Veranstaltungen. 
Zudem sorgte es für Leben auf dem Zinzendorfplatz.

Die Stadt Niesky und die Evangelische Brüdergemeine haben am Wochenende 275 Jahre der Gründung von Niesky gefeiert. Hier verteilen junge Frauen in der Tracht der Schwestern der Brüdergemeine Brötchen und Tee ...
© Rolf Ullmann

Niesky kann Theater, und das mit Laienschauspielern, die sonst in ganz anderen Berufen unterwegs sind. Jedenfalls wurde das historische Theaterstück am Sonnabend mit viel und langanhaltendem Beifall in der Kirche der Brüdergemeine aufgenommen. So mancher Nieskyer erfuhr dabei einige interessante Fakten, wie es sich damals zugetragen hat, als aus einem Flecken Wald eine Siedlung für Geflüchtete entstand. Vor 275 Jahren spielten die Themen Toleranz und Anerkennung anderer (Glaubens-)Werte genauso eine Rolle wie in der heutigen Zeit. Darauf nahm Wolfgang Rückert in seinem Grußwort als Vorsitzender des Ältestenrates der Nieskyer Brüdergemeine Bezug. Er fragte, ob es damals auch schon eine Willkommenskultur gab? Vonseiten der Trebuser Gutsherrschaft schon, schließlich waren es Freiherr von Gersdorf und seine Gemahlin Charlotte, die die böhmischen Glaubensflüchtlinge aufnahmen. Was aus dem Niesky von damals heute geworden ist, zeigte zum Abschluss der Festveranstaltung ein Imagefilm mit beeindruckenden Luftaufnahmen von der jungen Kleinstadt.

Das Nieskyer Festwochenende ging bereits früh am Sonnabend los — mit einer Stadtführung. Die Nieskyerin Gudrun Schiewe und Pfarrersfrau Gabriele von Dressler führten vom Zinzendorfplatz die über 30 Teilnehmer zum Gottesacker. Danach ging ihr Weg weiter zur Firma Höpner Lacke. Dieser Betrieb gehört seit seiner Gründung zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Evangelischen Brüdergemeine Niesky. Während eines Rundganges erläutert Geschäftsführer Christian Weiske die Besonderheiten sowie die wichtigsten Produktionsanlagen. Die derzeit zehn Mitarbeiter stellen hier vor allem Speziallacke für verschiedene Anwendungen in Industrie und Handwerk her. 

Einen ereignisreichen Tag erlebten die Delegationen aus Nieskys Partnerstädten. Die Gäste aus Albert, Holzgerlingen, Jawor und Turnov besuchten mit Vertretern der Stadt den Fürst-Pückler-Park Bad Muskau und unternahmen eine Fahrt mit der Waldeisenbahn nach Weißwasser.

Mit ihnen zusammen füllten sich am Sonnabendabend erneut die Bänke im Saal der Brüdergemeine. Ein Festkonzert des deutsch-polnischen Jugendorchesters Mixtura unter der Leitung von Thomas Stapel stand auf dem Plan. Auch viele Nieskyer strömten in die Kirche auf dem Zinzendorfplatz, um bei diesem Klangerlebnis dabei zu sein. 

Während der einstündigen Veranstaltung stellten deutsche und polnische Nachwuchsmusiker gemeinsam mit Musiklehrern der Kreismusikschule Dreiländereck sowie der Musikschule Zary ihr Können unter Beweis. Auf dieses Konzert haben sich die beiden Schulen, die schon länger eine enge Partnerschaft pflegen, in einem gemeinsamen einwöchigen Trainingslager in Polen vorbereitet, berichtet Thomas Stapel. Mit langanhaltendem Beifall dankte das zahlreiche Publikum den jungen Künstlern beider Länder.

Zuvor wurde zum gemeinsamen Abendessen auf den Zinzendorfplatz eingeladen. Für Gebratenes und Getränke sorgte die Nieskyer Feuerwehr. Ebenso nach dem Ökumenischen Festgottesdienst am Sonntag. Einmal mehr bot sich der Platz zum geselligen Treff an. Das hat nicht wenige Gäste zu der Feststellung veranlasst: „So etwas könnte hier ruhig viel öfters stattfinden."