Auf dem Gottesacker wird es eng

Von Steffen Gerhardt

Die Nieskyer Brüdergemeine sorgt sich um ihren Friedhof. Es fehlt der Platz für neue Gräber. Besonders für Brüder. Lösungen werden diskutiert.

In den frühen Jahrzehnten waren, wie hier in der Nähe des Denkmals, die Gräber großzügiger angelegt als heute. Nun wird darüber nachgedacht, die Grabsteine enger zu legen.
© Andre Schulze

Als Mitte des 18. Jahrhunderts der Gottesacker an der Siedlungsgrenze zu Niesky angelegt wurde, war das eine große Fläche. Genau genommen zehn Hektar. Vergleichbar mit der Größe von fast eineinhalb Fußballfeldern. Dass auf dieser Fläche 250 Jahre später rund 3 000 Brüder und Schwestern beerdigt sind, mag der Betrachter kaum wahrnehmen aufgrund der ins Erdreich flach eingelegten Grabsteine. Hinzu kommt, dass die Brüdergemeine zu sozialistischen Zeiten einen Teil der Fläche für den Soldatenfriedhof abtreten musste.

Damit ist es im 21. Jahrhundert eng geworden auf dem Nieskyer Gottesacker. Ein Thema, das den Ältestenrat der Evangelischen Brüdergemeine Niesky schon länger beschäftigt. „Jetzt ist das Thema für uns aktuell geworden, denn für Brüder stehen nur noch drei Grabstellen zur Verfügung“, sagt Wolfgang Rückert als Vorsitzender des Ältestenrates. Bei den Schwestern drängt das Problem noch nicht so stark, da sei noch ausreichend Platz, heißt es.

An der Tradition will die Brüdergemeine aber festhalten, dass Frauen und Männer getrennt ihre Grabstellen haben. Das heißt, dass westlich des Hauptweges die Schwestern und östlich die Brüder beigesetzt sind. Also gehen die Überlegungen dahin, die vorhandene Fläche effektiver zu nutzen. Denn im Gegensatz zu kommunalen Friedhöfen gibt es auf dem Gottesacker keine begrenzte Liegezeit von 25 Jahren. Dort bleiben die Gräber auf Ewigkeit und werden von der Gemeine gepflegt.

Wie könnte eine Lösung also aussehen? Der Ältestenrat hat zwei Varianten vorgeschlagen, die eines zum Ziel haben: „Dass die alten Grabsteine entfernt werden und möglicherweise jeweils am Rand der Felder aneinander niedergelegt werden“, sagt Wolfgang Rückert. Da der Gottesacker in 32 Gräberfelder unterteilt ist, beziehen sich diese beiden Varianten auf die Nord-Ost-Ecke, angrenzend an die Straße zum Kurzen Haag oder auf die Süd-West-Ecke neben dem Denkmal für die im 1. Weltkrieg gefallenen Soldaten.

Inzwischen hat der Gemeinrat noch eine dritte Variante in die Diskussion gebracht, erfuhr die SZ auf Nachfrage. Mit dieser sollen die vorhandenen Gräber im Grunde an ihrer Stelle bleiben. Für was sich nun entschieden wird, darüber will der Ältestenrat in seiner nächsten Ratssitzung am 20. Juni beraten. Die dann favorisierte Variante soll umgesetzt werden.