Frischekur für Nieskys Wohnzimmer

Von Alexander Kempf

Ein neuer Dampfkessel soll neben der Kirche am Zinzendorfplatz auch dem maroden Vorsteherhaus einheizen.

Damit in der Kirche der Nieskyer Brüdergemeine ab Herbst niemand friert, wird eine neue Heizungsanlage gebaut. Thomas Pätzold vom Tobias Bauunternehmen aus Vierkirchen muss dafür unter der Kirche aber zunächst Platz schaffen. Nach dem Umbau sorgt nicht mehr Kohle, sondern Gas für wohlige Wärme.
© André Schulze

Während ganz Niesky schwitzt, sorgt die Brüdergemeine derzeit vor, dass im Winter niemand friert. Die Gemeinde erneuert gerade die Heizung des Gotteshauses am Zinzendorfplatz. Für diese Woche ist ein neuer Dampfkessel bestellt worden. Mit dem hat die Brüdergemeine viel vor. Denn er soll nicht nur das Gotteshaus, sondern auch das Pfarrhaus und das Vorsteherhaus mit Wärme versorgen. „Die Heizung ist so dimensioniert“, erklärt Wolfgang Rückert vom Ältestenrat, „dass das Pfarrhaus schon in diesem Jahr und das Vorsteherhaus später angeschlossen werden kann.“

Wobei auch Wolfgang Rückert klar ist, dass sich die Gemeinde mit der Sanierung des Hauses südlich der Kirche nicht mehr viel Zeit lassen darf. „Irgendwann muss was passieren“, sagt der ehemalige Nieskyer Oberbürgermeister selbst, „sonst fällt das Haus ein.“ Immerhin ist hinter den Kulissen zuletzt eine ganze Menge passiert. Die Brüdergemeine hat Pläne, das historische Haus für altersgerechtes Wohnen zu ertüchtigen. Geplant sind ein Fahrstuhl und mehrere Wohnungen mit Balkon. Doch um diese Pläne Wirklichkeit werden zu lassen, braucht es Geld. Viel Geld. Mit Kosten von rund einer Million Euro kalkuliert die Gemeinde. Nun wird gerechnet, wie sich das gegenfinanzieren lässt. Die Kreditbewilligung für das Vorhaben steht noch aus.

Wolfgang Rückert bestätigt die Pläne zwar, weist aber auch darauf hin, dass alles ohne eine Finanzierung noch nicht spruchreif ist. Darum konzentriert sich die Gemeinde nun erst mal auf die Sanierung der Kirche. Dort wird neben der Heizung vor allen Dingen der Kleine Saal erneuert. Er erhält neue Elektrik und einen frischen Anstrich. Im Oktober sollen die Arbeiten abgeschlossen sein und auch der Heizkessel in Betrieb gehen. Die neue Heizung kostet die Brüdergemeine rund 180 000 Euro. Sie investiert in einen Dampfkessel, erklärt Wolfgang Rückert. Denn das sei das einzige wirtschaftliche System, das nicht frostgefährdet ist. Die warme Luft wird in der kalten Jahreszeit dann durch Öffnungen aus dem Fußboden nach oben strömen und die Kirche heizen.

Auch im Pfarrhaus nördlich der Kirche wird es dank der neuen Heizung den Winter über nicht kalt werden. Dass die Bauarbeiten am Vorsteherhaus aber noch in diesem Jahr beginnen, das schließt Wolfgang Rückert fast schon aus. Denn selbst wenn die Finanzierung gelingt, mache es wenig Sinn, vor dem Winter die Sanierung zu beginnen. Denn am Haus, das sogar älter als die benachbarte Kirche ist, muss sehr viel getan werden. Sowohl Dach als auch Fassade brauchen eine Frischekur. Zudem wird sich die Brüdergemeine darum bemühen, das historische Gesicht des Gebäudes wieder stärker sichtbar zu machen. „Es sieht ja nicht sehr proportioniert aus“, sagt Wolfgang Rückert.

Über die Jahre ist das Haus immer wieder verändert worden und hat sich gewandelt. Wenn dort nun tatsächlich Wohnungen und Balkons entstehen, wäre auch die letzte Ruine am Nieskyer Zinzendorfplatz beseitigt. Und der gilt ja gemeinhin als das Wohnzimmer der Stadt und ist in der Vergangenheit bereits als einer der schönsten Plätze Deutschlands ausgezeichnet worden. Die möglichen Mieter des Vorsteherhauses dürfen aber nicht auf einen Balkon zum Platz hin hoffen. Die Vorbauten sollen nach hinten beziehungsweise in Richtung Brüderhaus angebracht werden. Pläne für die Sanierung des Vorsteherhauses gibt es schon mindestens drei Jahre lang. Seit Oktober liegt der Kirchengemeinde sogar schon ein genehmigter Bauantrag vor. Doch das Geld für den Umbau ist bis heute noch nicht zusammen gekommen. Ursprünglich hatte die Brüdergemeine auch auf Fördermittel gehofft und befand sich lange Zeit im Gespräch der Stadt. Doch Niesky hat bis zuletzt offenbar nichts beisteuern können. Zwischenzeitlich war sogar ein Abriss des historisch wertvollen Vorsteherhauses im Gespräch. Zumindest der scheint nun vom Tisch.