Von Gerberei bis Gaswerk

Von Carla Matern

Die Brüdergemeine hatte in Niesky viele kleine produzierende Firmen, Handwerker und Händler. Darum geht es am Sonntag in einem Vortrag.

Susanne Kokel (53) arbeitet an der Uni Marburg. Sie forscht zur Wirtschaftsgeschichte der Brüdergemeine.
© Rafael Sampedro

Niesky war ein bedeutender gewerblicher Standort, hat Susanne Kokel herausgefunden. Seit drei Jahren erforscht sie die Wirtschaftsgeschichte der Brüdergemeine und hat sich dabei auch intensiv mit Niesky beschäftigt. "Als Gewerbestandort ist Niesky total interessant", sagt die 53-Jährige, die an der Uni Marburg als wissenschaftliche Mitarbeiterin beschäftigt ist und an einer Dissertation zum Thema "Unternehmertum der Herrnhuter Brüdergemeine im 19. und 20. Jahrhundert" schreibt.

Dafür hat sie auch im Nieskyer Archiv recherchiert und Erstaunliches herausgefunden. Es gab viele Händler, Handwerker und kleine produzierende Firmen. Dazu zählen beispielsweise die Eisenwarenfabrik Riis & Co., die noch immer bestehende Firma Höpner Lacke, eine Ringfabrik, ein Kolonialwarenladen, eine Gerberei im Brüderhaus. Der Kirchengemeinde gehörte bis 1904 ein Gaswerk. Niesky war auch der Standort der Bank der Deutschen Brüderunität. Natürlich gab es einen Gewerbeverein und im Jahr 1927 wurde in Niesky eine große Gewerbeschau veranstaltet.

Diese und viele Fakten mehr hat Susanne Kokel in einem Vortrag mit dem Titel "Handel und Wandel - Unternehmen der Brüdergemeine in Niesky" zusammengestellt. "Ich mache das immer so: Weil ich die Archive benutzen darf, biete ich an, über die Ergebnisse einen Vortrag zu halten", sagt die Wissenschaftlerin. Den Vortrag hat die Stadt Niesky in ihren Veranstaltungskalender zum 275. Stadtjubiläum aufgenommen. Und da mit vielen Interessierten gerechnet wird, wird er im Kleinen Kirchsaal stattfinden.