Lebendiger Gottesacker

 

 

Wie ein Park mutet der Nieskyer Gottesacker an. Der Friedhof der Brüdergemeine ist groß, mehr als 10000 Quadratmeter. Doch er muss teilweise umgestaltet werden, sonst reicht der Platz nicht mehr. – Zugesperrt ist der Haupteingang durch das große Tor (Foto

Manch einer denkt, dass der Nieskyer Gottesacker im Süden der Stadt ungepflegt und verwildert ist. Doch der Schein trügt. Im Gegenteil: Die Nieskyer Brüdergemeine unternimmt viel für ihren Friedhof. Was gerade im Gange und geplant ist, das sagt Brüdergemeine-Vorsteherin Sieglinde Eichler.

Alt und geschützt: Der älteste Teil des Friedhofs braucht Sonderpflege

Am 12. April 1743 gab es in dem neu angelegten Ort Niesky die erste Beerdigung. Dafür wurde der Gottesacker angelegt. Westlich des Hauptweges wurden fortan die Schwestern, östlich davon die Brüder beigesetzt. „Das ist die einzige Stelle, wo die Tradition noch immer lebendig ist“, sagt Sieglinde Eichler. Noch heute gibt es die getrennten Gräberfelder für Männer und Frauen. Der bis 1838 entstandene Friedhof wird als Alter Teil bezeichnet. Zwei geschützte Biotope gibt es dort, das Heidebiotop und ein Trockengrasbiotop. Beide dürfen nicht gemäht werden. Nicht nur wegen der Pflanzen, auch um die meist aus Sandstein gefertigten Grabplatten nicht zu beschädigen, muss dieser Teil besonders sorgfältig und aufwendig gepflegt werden.

Belegt und fast zu klein: Umbettungen werden geplant

Auf dem Gottesacker an der gleichnamigen Allee sind mittlerweile etwa 3000 Brüder und Schwestern beerdigt. Allein im ältesten Teil des Friedhofes rechts und links vom Haupteingang bis zur Hecke liegen 1500 Gräber. Die Besonderheit des Friedhofes der Brüdergemeine gegenüber anderen: Die Gräber bleiben auch über die übliche Liegezeit von 25 Jahren. So existieren seit 1743 noch alle Grabplatten auf den insgesamt 32 Gräberfeldern. Weil aber bald kein Platz mehr ist für neue Gräber, plant die Brüdergemeine Felder zusammenzulegen. Das heißt, dass die Grabplatten herausgenommen werden und in einem geringeren Abstand wieder in den Gottesacker gelegt werden. Das sei auch in früheren Jahren schon passiert oder auf anderen Gottesäckern anderer Gemeinden. Vor der Wende musste die Brüdergemeine einen Teil ihres Friedhofsgeländes abgeben, dort befindet sich jetzt der Soldatenfriedhof.

Wertvoll und erlebenswert: Der Gottesacker wird kartiert

Im Tod sind alle gleich. Auch diese Maxime leben die Mitglieder der Brüdergemeine. Von der Kirche am Zinzendorfplatz auf den Gottesacker geben die Trauergäste dem Verstorbenen das letzte Geleit. Der liegt in einem weißen Sarg. Auf dem Gottesacker sehen die Gräber gleichgestaltet aus, abgesehen von dem frischen Blumenschmuck. Das erste Schild und die folgende Grabplatte enthalten bei jedem Verstorbenen die gleichen Angaben. Auch die Form hat sich über die Jahrhunderte kaum geändert. Lediglich verschiedene Materialien wie Sandstein oder Granit sind zu finden. Die Gräber sind schlicht. Auf den Grabplatten stehen der Name, das Geburts- und Sterbedatum, der Geburts- und Sterbeort sowie ein selbst bestimmter Bibelspruch. „Unser Gottesacker ist wie eine aufgeschlagene Bibel“, sagt Sieglinde Eichler. Die Verstorbenen werden der Reihe nach beigesetzt, Familiengräber gibt es nicht. Und noch eine Besonderheit gibt es: Von jedem Verstorbenen existiert ein Lebenslauf. Jetzt will die Brüdergemeine ihren Gottesacker kartieren. Alle Grabfelder bekommen Nummern, ebenso die Gräber von bekannten Personen. Außerdem werden die Namen in einer Datenbank erfasst