Niesky kommt ins Radio

Von Alexander Kempf

Am Sonntag sendet der MDR live aus der Kirche der Brüdergemeine. Dort hat man sich über Monate penibel auf den Termin vorbereitet

Wenn der kleine Saal der Nieskyer Brüderkirche zu eng wird, kann jeder den Gottesdienst am Sonntagmorgen im Radio bei MDR Figaro verfolgen.
© André Schulze

Ob Pfarrer Axel von Dressler wohl nervös ist, weil am Sonntag in seiner Kirche eine Livesendung stattfindet? „Es geht so“, antwortet er am Freitagvormittag gut gelaunt. Es sei nicht seine erste Sendung dieser Art. Und nach 25 Jahren als Pfarrer ist man es durchaus gewöhnt, vor vielen Menschen zu sprechen. Trotzdem wird die Veranstaltung um 10 Uhr eine besondere. „Man will es ja immer gut machen“, sagt Axel von Dressler, „ein Schuss Adrenalin kann da nicht schaden.“ Eine gewisse Anspannung liegt also durchaus in der Luft.

Insbesondere, als es am Freitag noch Verwirrung wegen der Generalprobe gibt. Denn die findet am Sonnabend nicht, wie von einigen irrtümlich angenommen, um 15 Uhr statt, sondern erst um 17 Uhr. Es wird das letzte Puzzlestück einer langen Vorbereitung sein. Seit fünf Monaten laufen die Planungen für die 60-minütige Livesendung. Alles müsse gut abgestimmt werden, erklärt Axel von Dressler. Die geplanten Musikstücke werden beispielsweise vorab bei der Gema angemeldet. Zudem ist der Zeitplan ist heilig. „Es muss alles auf die Minute getaktet sein“, sagt der Pfarrer. Die Vorbereitung der Übertragung sei eine wahre „Fisselarbeit“.

Trotzdem habe die Brüdergemeine das Angebot des Senders MDR Figaro sehr gerne angenommen. Er sei auf die Verantwortlichen zugekommen. „Das ehrt einen natürlich“, sagt Axel von Dressler. Er versteht die Sendung nicht nur als Werbung für seine Kirche, sondern auch für die Stadt. „Die Gemeinde und die Stadtgründung sind ja identisch“, sagt er. Was die Nieskyer bereits wissen, will Axel von Dressler am Sonntagmorgen auch den neuen Zuhörern in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen erzählen. In einem Kurzporträt wird er Ort und Gemeinde vorstellen.

Vielleicht macht das den einen oder anderen doch neugierig, mal nach Niesky zu kommen. Die Kirche am Zinzendorfplatz steht in jedem Fall regelmäßig für Besucher offen. Wer der Sendung am Sonntag nicht im Radio sondern im kleinen Saal des Gotteshauses beiwohnen will, der sollte pünktlich bis 9.45 Uhr da sein. „Dann sind die roten Lampen an und es sollte besser keine Nebengeräusche mehr geben“, so Axel von Dressler. Er rechnet mit vielen Besuchern. Im kleinen Saal der Brüderkirche haben laut seiner Schätzung 250 Gäste Platz.

Musikalisch dürfen sich die Zuhörer in der Kirche und an den Radiogeräten auf vier Beiträge freuen. Der Kantor von Herrnhut, Peter Kubath, wird die Orgel spielen. Gabriele von Dressler, die Ehefrau des Pfarrers, leitet am Sonntag einen Bläserchor mit 13 Bläsern. Außerdem ist ein Trio angekündigt, das ein Flötenstück spielen wird. Die Predigt kommt von Pfarrer Klaus Biedermann aus Herrnhut, dem Schwiegervater von Axel von Dressler. Doch nicht nur dessen Familie ist voll eingebunden. Insgesamt sind 22 Menschen involviert, die den Gottesdienst zu einer gelungenen Veranstaltung machen wollen.

Für MDR Figaro ist die Übertragung aus Niesky eine Premiere, erzählt Simone Kittel von der Kirchenredaktion. Seit zehn Jahren sendet die Station am Sonntagmorgen Gottesdienste aus dem Verbreitungsgebiet Mitteldeutschland. Dafür fährt dann stets ein Übertragungswagen samt Tontechniker vor. Auch wenn MDR Figaro Niesky das erste Mal ansteuert, Rundfunkübertragungen soll es aus der Brüderkirche schon gegeben haben, hat sich Axel von Dressler erzählen lassen. Es ist aber so lange her, dass niemand mehr das Jahr im Kopf hat.