Ein Stern ist in Niesky aufgegangen

Von Steffen Gerhardt

Die Stadt besinnt sich ihrer Wurzeln und startet so ins Jubiläumsjahr.
Rund 100 Nieskyer sind dabei.

Mit einem Umzug, angeführt von den Sternsingern, vom Alten Pädagogium zur Kirche am Zinzendorfplatz fand der Auftakt zur 275-Jahrfeier in Niesky statt.
© Jens Trenkler

Hoch oben hängt er und strahlt in warmen gelben und roten Farben auf die Görlitzer Straße. Niesky hat seinen Stern wieder. Ein Symbol, das in der noch jungen Geschichte der Stadt eine wichtige Rolle spielt. Daran erinnerte Nieskys Museumsleiterin Eva-Maria Bergmann am Alten Pädagogium. Dort, wo heute die Stadtbibliothek ihren Sitz hat, versammelten sich am Freitagnachmittag rund 100 Nieskyer, um gemeinsam auf Sternenzug zu gehen.

Ein leuchtender Stern, das war wohl das erste Produkt, das Niesky über die Stadtgrenze hinaus bekanntmachte. Eva-Maria Bergmann erinnerte daran, dass es einst die Schüler der Knabenanstalt waren, die Ende des 18. Jahrhunderts den Stern bastelten. Anlass dazu soll ihnen ein Lehrer für Mathematik gegeben haben. Anhand so eines Modells erklärte er den Schülern geometrische Formen. Aber dass aus diesem Lehrmaterial mal ein begehrtes Konsumgut wird, das heute auf kanadischen und skandinavischen Weihnachtsmärkten und in Moskauer Kaufhäusern leuchtet, war damals nicht abzusehen.

Eigentlich müsste es der Nieskyer Stern heißen, denn die erste Manufaktur wurde 1924 in Niesky gegründet. Die ersten, zusammensetzbaren Sterne soll es bereits 1897 in Niesky gegeben haben, sagte Frau Bergmann. Und von Niesky aus gingen sie hinaus in die Welt, zusammen mit den Missionaren, die zuvor in Niesky ausgebildet wurden. Vor diesem geschichtlichen Hintergrund liegt es auf der Hand, dass sich die Nieskyer ihren Stern zurückholen wollen. Und das taten sie auch. Zusammen mit den Sternsingern der katholischen Pfarrgemeinde und dem Posaunenchor der Nieskyer Kirchgemeinde folgten sie dem Sternenzug in die Brüderkirche auf dem Zinzendorfplatz.

Pfarrerfrau Gabriele von Dressler ließ die Symbolik des Sterns weiter leuchten, als nur aus den Fenstern der früheren Nieskyer Internatsschulen. In mehreren Passagen der Bibel ist der Stern, gleichzusetzen mit Licht, erwähnt, sagte sie. Die bekannteste dürfte dabei die Weihnachtsgeschichte sein. Gabriele von Dressler sieht das Licht, das der Nieskyer Stern fortan ausstrahlt, "als Licht des Friedens für die Stadt und die Welt".

Links zum Thema Spannende Spaziergänge Kommentar: Ein leuchtender Auftakt für Niesky Damit dürften auch die folgenden Veranstaltungen zum 275-jährigen Stadtjubiläum unter einem guten Stern stehen. Das wünscht sich Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann. Sie ist erfreut darüber, dass trotz klirrender Kälte "so viele Nieskyer gekommen sind", um den Auftakt zum Jubiläumsjahr mitzuverfolgen und mitzugestalten. Zugleich zeigte der Sternenzug, dass mit vereinten Kräften etwas für die Stadt bewegt werden kann. Denn neben ihr waren auch die Nieskyer Brüdergemeine, die Christuskirche und die Katholische Pfarrgemeinde in den Sternenzug involviert.

Dass der Auftakt zum Tag der Heiligen Drei Könige stattfand, hat einen historischen Grund: 1821 ist in der Unitäts-Knabenanstalt zu dieser Zeit das Fest zum 50. Jahrestag der Anstalt gefeiert worden. "Damals hat ein beleuchteter Stern mit 110 Zacken im Hof gehangen", hat Eva-Maria Bergmann in alten Akten gelesen.