Tansanische Herrnhuter besuchen Niesky

Von André Schulze und Thomas Staudt

Back to the roots: Mitglieder der Brüdergemeine von Mbozi haben in der Oberlausitz nach ihren Wurzeln gesucht. Und so manches dabei entdeckt.

Rechts die Pfarrerin der Brüdergemeine, Christine Pietsch, links der Leiter der tansanischen Besuchergruppe, Zakaria Sichone, beim Rundgang durch Niesky.
© Andre Schulze

Das kommt nicht jeden Tag vor: Am Dienstag machte eine Delegation der Moravian Church aus der Südwestprovinz Tansanias Station in Niesky. Die Kirche gehört zur weltweiten Glaubensgemeinschaft der Herrnhuter Brüdergemeine. Vom Ort und dem Distrikt Mbozi, aus dem die Gäste kommen, führen eine ganze Reihe von Verbindungslinien nach Niesky. Pfarrerin Christine Pietsch gab einigen auf einem Rundgang durch die Stadt Gestalt. Beispielsweise auf dem Gottesacker der Brüdergemeine. Dort liegt Traugott Bachmann begraben. 1865 in Kaana geboren, einem Ort, der im heutigen Quitzdorfer Stausee verschwunden ist, und 1948 in Niesky gestorben, war Missionar der Herrnhuter Brüdergemeine in Tansania und gründete in der 1890er Jahren den Ort Mbozi. Der Besuch in Niesky wurde den Gästen so zu einer Reise zurück zu den Wurzeln. Dies erleben zu dürfen, hinterließ einen tiefen Eindruck. Zakaria Sichone, der Leiter der tansanischen Besuchergruppe, sagte: „Jetzt kann ich endlich selbst sehen, wovon Doktor Mieske bei uns immer erzählt hat.“

Der Nieskyer Arzt war in den 80er Jahren im Krankenhaus in Mbozi tätig. Ein Hilfsverein aus Niesky unterstützt seit den 90ern und bis heute aktiv das dortige Krankenhaus. Nächstes Jahr wird voraussichtlich ein Arzt aus dem Emmaus-Krankenhaus für einige Zeit die Arbeit der Kollegen in Mbozi unterstützen.

Eine andere Verbindung führt zur roten Schule, die heute als Zentralhort genutzt wird und einst als Missionsschule diente. Von besonderer Bedeutung ist die dortige Aussendungspforte. Gudrun Schiewe weiß um ihre Geschichte und erzählte sie während des Rundgangs durch die Stadt. Sie war und ist immer und gern dabei, wenn Gäste in der Brüdergemeine begrüßt werden. Ihr Mann war einst Pfarrer in Niesky. Laut Schiewe wurden durch die Aussendungspforte die ausgebildeten Missionare zu ihrem Dienst in die Welt hinausgeschickt. Vermutlich wurde auch Traugott Bachmann durch dieses Tor verabschiedet.

Die Gäste aus Tansania sind vier Wochen in Deutschland unterwegs. Ein Ort darf auf der Reiseroute nicht fehlen: Herrnhut. Ein erster Halt führte die Gruppe übrigens für drei Wochen nach Mühlacker. Die Stadt in der Nähe von Stuttgart ist der Moravian Church als Partnerkirchenbezirk verbunden.