Der letzte Schandfleck am Zinzendorfplatz verschwindet

Von Carla Mattern

Das Vorsteherhaus direkt neben der Kirche soll saniert und umgebaut werden. Noch fehlen aber die Genehmigungen.

Zwischen dem Brüderhaus (links im Bild) und der Kirche steht das Vorsteherhaus am Zinzendorfplatz in Niesky. Jetzt gibt es Pläne, das 231 Jahre alte Gebäude zu sanieren. Foto: André Schulze

Das hässliche Entlein oder der letzte Schandfleck: Wenig schmeichelhaft sind die Begriffe, die für das Haus Nummer 17 am Zinzendorfplatz verwendet werden. Es gehört der Brüdergemeine Niesky. Und die Mitglieder der alteingesessenen Kirchengemeinde sind sich dessen auch bewusst. Nicht nur, dass die Gründung des Ortes auf die Brüdergemeine zurückgeht. Für viele Häuser rund um den Zinzendorfplatz im Stadtzentrum haben sie den Hut auf. Auch das Vorsteherhaus zwischen der Kirche und dem Brüderhaus ist Kircheneigentum.

Aber viel investiert worden ist in das mehrstöckige Haus in den vergangenen Jahrzehnten nicht. So steht es grau und groß neben dem sanierten Eckhaus. Auch wenn die von einer Buchsbaumhecke umrahmte Wiese vor dem Hauseingang gepflegt wird und das vom Eine-Welt-Laden-Team dekorierte Fenster freundlich zum Platz hin grüßt, der Zustand des Hauses ist schlecht.

So soll er aber nicht bleiben. „Wir sind bauwillig“, sagt Sieglinde Eichler. Sie ist Vorsteherin beziehungsweise Kirchenrechnerin bei der Nieskyer Brüdergemeine, also für die wirtschaftliche Geschäftsführung zuständig. Aus dem Vorsteherhaus, das so genannt wird, weil hier früher der Vorsteher mit Familie wohnte, soll ein Wohnhaus werden. Das ist der Plan, und so ist auch der Bauantrag gestellt. „Die Entscheidung, ob wir bauen können, ist aber noch in der Schwebe“, sagt Sieglinde Eichler. Deshalb stehen auch noch die Informationen an die Mitglieder der Kirchgemeinde aus. Die Kirchenrechnerin will die Genehmigungen erst abwarten. Auch die Finanzierung stehe noch nicht, sagt sie.

Aber ein Geheimnis wird trotzdem nicht aus den Plänen gemacht. Das geht auch gar nicht. Schließlich sind die Frauen aus dem Eine-Welt-Laden fleißig beim Ausziehen aus dem Vorsteherhaus. „Wir schaffen Baufreiheit. Fast genau 20 Jahre war der Eine-Welt-Laden in diesem Quartier, nun wird er sich neu präsentieren in der Bautzener Straße 2“, sagt die Nieskyerin Roswitha Garve. Das ist gleich um die Ecke, gegenüber dem Netto-Parkplatz. Da es viel zum Umräumen gibt, sind die Ehrenamtlichen so da, als hätte der Laden geöffnet. Die 14 Tage Schließzeit werden zum Um- und Neueinräumen benötigt. Am Donnerstag sollen die Regale im neuen Quartier aufgestellt werden und, wenn das alles so klappt, fängt das Eine-Welt-Laden-Team am Freitag wieder mit dem Einräumen an. Die Eröffnung in den neuen Räumen ist für den 1. Juli geplant, so Roswitha Garve.

So schnell geht es mit dem Vorsteherhaus nicht voran. Ehe hier die ersten Möbelwagen vorfahren, geht noch einige Zeit ins Land. Aber jetzt gibt es wenigstens einen Plan. Denn der vorherige Pfarrer der Brüdergemeine, Peter Vogt, hatte den Sanierungsstau zwar bestätigt, aber als Hindernis das fehlende unter anderem Nutzungskonzept bezeichnet.

Das ist jetzt anders. „Wir wollen Wohnungen bauen, weil alles andere sich nicht finanziert“, sagt Sieglinde Eichler. Es soll ein Fahrstuhl eingebaut werden und mehrere barrierefreie Wohnungen entstehen. Nach den Plänen des Architekten wird das Haus äußerlich den ursprünglichen Bauzustand von 1783 widerspiegeln. Erfahrungen gibt es bereits mit dem Umbau des Hauses Zinzendorfplatz 7/Ecke Horkaer Straße. Dort entstanden zehn barrierefreie Wohnungen.