Studentin entdeckt Erstaunliches zum Vorsteherhaus am Zinzendorfplatz

Von Carla Mattern

Das Haus neben der Kirche gehört zu den ältesten in der Stadt. Es steht fast leer und muss dringend saniert werden.

So sah das Vorsteherhaus (Mitte, rechts daneben der frühere Betsaal) zwischen Kirche und Brüderhaus am Nieskyer Zinzendorfplatz um 1875 aus. Heute befindet sich darin der Eine-Welt-Laden. Einen Raum nutzt die Jugendgruppe der Brüdergemeine. Repro: Archiv Brüdergemeine

Fast alle von den ganz alten Häusern aus den Gründerzeiten von Niesky stehen als Schmuckstücke da. Viel Geld ist ins Sanieren und Modernisieren geflossen. Ob es um Nieskys erstes Haus, das Raschkehaus geht, in dem heute das Stadtmuseum und die Touristinfo ihre Heimstatt haben, das Pädagogium, in dem sich die Stadtbibliothek befindet, oder das sogenannte Neumann'sche Haus, als zweitältestes Haus neben dem Raschkehaus, auf dessen Grundmauern 1900 ein Wohnhaus entstand, das seit einigen Monaten umfassend umgebaut und mit einem Aufzug ausgestattet wurde, oder das Brüderhaus als Wohn- und Geschäftshaus.

Doch auf der Kirchenseite des Zinzendorfplatzes hat Niesky gleich zwei Stellen, die das Stadtbild nicht gerade bereichern und verschönern. Wo früher das Gegenstück zum Brüderhaus, das Schwesternhaus, stand, klafft eine Lücke. Viele Versuche, dort wieder ein neues Gebäude zu errichten und mit Nutzern zu füllen, schlugen fehl.

Quasi als das hässliche Entlein sticht zwischen Kirche und Brüderhaus das sogenannte Vorsteherhaus heraus. Seinen Namen bekam es, weil darin Vorsteher und Prediger nächtigten. Es hat eine großartige Historie, denn es entstand bereits 1783 und damit nur einige Jahre nach dem ersten Betsaal und war mit ihm auch verbunden. Vom Vorsteherhaus gelangte man direkt vom ersten Stockwerk aus zur Orgelempore. Schon damals wirkte es wie ein Einzelhaus. Das wurde es später auch, als der Betsaal der neuen Kirche weichen musste.

Anders als bei anderen Gebäuden im historischen Stadtkern ist nicht viel Geld in das Vorsteherhaus investiert worden. „Müde und unansehnlich steht es am Zinzendorfplatz links neben der Kirche und wartet auf seine Rettung“, beschreibt Roswitha Garve den Zustand des Gebäudes. „Das Haus könnte als eines der ältesten Häuser in Niesky ein Schmuckstück werden, ist es aber nicht“, sagt Peter Vogt, bis zum Sommer Pfarrer der Brüdergemeine Niesky. Auch Kontakte zur Stadt Niesky, die mit viel Fördergeld ein großangelegtes Stadtsanierungsprogramm abarbeitete und unter anderem bereits Anfang der 1990er Jahre dem Zinzendorfplatz weitgehend seine ursprüngliche Gestalt wiedergab, brachten keine Restaurierungsmöglichkeit für das Vorsteherhaus. Doch auch wenn sich scheinbar nichts tut an dem alten Gebäude, abgeschrieben ist es nicht. Das bestätigt der neue Pfarrer der Nieskyer Brüdergemeine Axel von Dressler.

Eine Studentin der Hochschule Zittau-Görlitz von der Fachrichtung Bauwesen hat sich gründlich mit dem Vorsteherhaus befasst. Alexandra Kalich schrieb ihre Abschlussarbeit zu dem Thema. Dabei sei Erstaunliches zutage getreten, teilt Roswitha Garve mit. Was das ist, verraten vorher weder Roswitha Garve noch Pfarrer von Dressler. Während eines Vortrags wird Alexandra Kalich das Geheimnis aber lüften. Zum Thema wird außerdem eine kleine Ausstellung vorbereitet, die den Bericht der Studentin ergänzen wird.

Es sei ein kleiner Schritt, aber ein weiterer auf dem Weg, aus dem unsanierten Vorsteherhaus vielleicht ein ansehnliches gut ausgebuchtes und mit Leben erfülltes Gebäude zu machen.

Öffentlicher Vortrag, 16.10., 17 Uhr, Kleiner Saal der Kirche der Brüdergemeine in Niesky