Wege des Lichtes am Martinstag in Niesky

Von Rolf Ullmann

Über 250 Kinder und Erwachsene haben sich am Montagabend auf die Spuren des Heiligen Martin begeben.

Nicht nur diese drei kleinen Mädchen hatten ihre Freude beim Umzug mit Fackeln und Laternen von der Kirche St. Josef bis zum Altenpflegeheim Abendfrieden. Foto: Ullmann

Die Türen der hölzernen St. Josef Kirche stehen an diesem 11. November in den späten Nachmittagsstunden weit offen. Alle, Frauen, Männer, Jugendliche und Kinder sind hier am Nieskyer Rosensportplatz zu einer Andacht zu Ehren des Heiligen Martin eingeladen. Die Bänke im Kirchensaal des im letzten Jahr renovierten Gotteshauses sind kurz nach 16 Uhr dicht besetzt. Aufmerksam verfolgen die Anwesenden die Geschichte des Martin, der als römischer Offizier seinen Mantel teilt und damit einen Bettler vor dem Erfrieren rettet. Die Gabe, zu teilen und auch auf das Wohl des anderen Rücksicht zu nehmen, bildet die zentrale Botschaft an diesem Abend. Kinga Galgan und Lucas Häntsch, beide Mitglieder der Jungen Gemeinde in der St. Josef Kirche, tragen die Geschichte wechselseitig vor. Pfarrer Krystian Burczek schickt die Teilnehmer an der Andacht nach dem gemeinsamen Gebet des „Vater Unser“ auf ihren Weg durch die Stadt. „Euer Weg ist ein Weg des Lichtes der Kerzen, die nicht nur die Kinder erfreuen,“ sagt der Pfarrer.

Vor der Kirche warten zahlreiche weitere junge und schon etwas ältere Teilnehmer bereits ein wenig ungeduldig darauf, dass sich der Umzug zum Abmarsch formiert. Etwa 250 Frauen, Männer und Kinder, nehmen die Wegstrecke durch die Horkaer Straße, über den Zinzendorfplatz hin zur Diakonissenanstalt Emmaus schließlich in Angriff. An der Spitze des Zuges spielt der gemeinsame Posaunenchor von Mitgliedern der evangelischen Kirchengemeinde sowie der Brüdergemeine Niesky. Dieses Miteinander unterschiedlicher Kirchengemeinden prägt den Abend in ganz besonderem Maße. „In jedem Jahr wechseln wir das Ziel der Umzüge. Denn es ist eine ökumenische Veranstaltung, an der alle Christen teilhaben sollen,“ sagt Gerd Röthig, Pfarrer in der evangelischen Kirchengemeinde. In diesem Jahr startet die Veranstaltung zum ersten Mal seit längerer Zeit wieder von der St. Josef Kirche.

Auf ihrem Weg durch die abendlichen Straßen der Nieskyer Innenstadt wird der Umzug auch in diesem Jahr von einem Berittenen angeführt. Auch die Mädchen und Jungen der Jugendfeuerwehr Niesky sind hier vorn zu finden. Für die Floriansjünger bildet die Sicherung des Umzuges eine der großen Bewährungsproben im jeweiligen Ausbildungsjahr.

Am Haupteingang des ehemaligen Krankenhauses der Diakonissenanstalt Emmaus stehen Tee und natürlich die besonders von den Kindern erwarteten Martinshörnchen zur Stärkung bereit. Der Aufforderung von Pfarrer Röthig sich die Martinshörnchen schmecken zu lassen, dabei jedoch das Teilen nicht zu vergessen, leisten die Anwesenden gern Folge. So manches Hörnchen wurde so geteilt.